🎓 Der Mythos der „Lerntypen“
„Ich bin eher der visuelle Typ", „ich lerne durch Hören" – die Idee fester Lerntypen ist weit verbreitet. So sympathisch sie klingt: Wissenschaftlich steht sie auf wackligen Beinen.
Was behauptet wird
Die zentrale Annahme ist die sogenannte Meshing-Hypothese: Unterricht wirke am besten, wenn er zum „Stil" des Lernenden passt – also etwa visuelles Material für „visuelle Lerntypen". Eine ganze Industrie aus Tests und Programmen baut darauf auf.
Was die Forschung fand
Harold Pashler und Kolleg:innen (2008) prüften für die Fachzeitschrift Psychological Science in the Public Interest die Beweislage. Ihr Ergebnis war ernüchternd: Es gibt zwar reichlich Literatur, aber kaum Studien mit dem richtigen Versuchsaufbau – und die wenigen geeigneten fanden die behauptete Wirkung nicht. Einige Ergebnisse widersprachen ihr sogar.
Wichtig: Dass Menschen Vorlieben haben, bestreitet niemand. Nur verbessert es das Lernergebnis eben nicht, wenn man den Unterricht an diese Vorlieben „anpasst".
Was stattdessen hilft
Belegt wirksam sind dagegen Methoden, die für (fast) alle gelten: verteiltes Wiederholen, sich aktiv abfragen statt nur lesen, Inhalte erklären und mit Beispielen verknüpfen. Genau solche Prinzipien stecken in unseren Merktechniken.
Quellen
- Pashler H, McDaniel M, Rohrer D, Bjork R (2008). Learning Styles: Concepts and Evidence. Psychological Science in the Public Interest 9(3), 105–119. DOI: 10.1111/j.1539-6053.2009.01038.x